Bei der Behandlung des Lipödems
ist ein schnelles Erfolgserlebnis wichtig, damit die Patientinnen schnell aus der fatalistischen Hoffnungslosigkeit herauskommen. Aus diesem Grund hat sich zur Einleitung die stationäre Therapie über ein bis drei Wochen bewährt. Mit abschwellenden Infusionen, zweimal täglicher Lymphdrainage, intensivem Bandagieren tagsüber (bei gleichzeitigem intensivem Gehen) und nachts bis an die Grenze des individuell leicht Möglichen gelingt es, das Eiweiß aus dem Bein zu pressen. Auf diese Weise kann ein Langzeiteffekt erreicht werden!
Die weitere ambulante Behandlung erfordert in unterschiedlichem Maß das Tragen von Gummikompressionsstrümpfen, eventuell ergänzt durch Bandagen neben ein bis zweimal wöchentlicher Lymphdrainage. Nachdem ein zufriedenstellender Zustand erreicht worden ist, sind nur noch Gummistrümpfe erforderlich (oft nur zeitweilig!!), die Lymphdrainage kann reduziert oder ausgesetzt werden (Erhaltungsphase der Behandlung).
Erstaunlicherweise werden Gummistrümpfe und Bandagen auch über Nacht von nicht wenigen Patientinnen gut vertragen. So kann die Behandlung in den Schlaf verlegt werden. Tagsüber (besonders im Sommer!) bleiben die Beine frei.
Der Gummikompressionsstrumpf dient der Erhaltung des Erreichten. Seine Qualität ist in den letzten Jahren erfreulich verbessert worden in Aussehen (modische Farben, Textur einer blickdichten Strumpfhose) und Tragekomfort (er drückt weniger und schnürt weniger ein, Silikonbänder geben guten Halt ohne Klebstoff). Die manuelle Lymphdrainage kann durch fast drucklose streichende leichte Handbewe-gungen die gestaute Flüssigkeit und abgelagerten Gewebsschlacken zum Strömen bringen über eine gesteigerte Abflussleistung der vorhandenen Lymphgefäße sowie die Bildung neuer Lymphgefäße anregen. Die Wirkung der ML ist nicht rein mechanisch zu verstehen. Über das vegetative Nervensystem führt sie zu einer Umstimmung des Organismus hin zu Ermüdung, Entspannung und Regeneration. Über eine Hemmung der Schmerzrezeptoren wirkt sie schmerzlindernd. Die ML nach Vodder wird mit wechselndem Druck durch ein Verziehen der Haut durchgeführt. Die Ödembehandlung dauert pro Bein mindestens eine halbe Stunde, die anschließende Bandagierung ist für anhaltende Erfolge als Ergänzung der ML erforderlich.
Die Apparative Intermittierende
Kompression ist beim Lipödem in Ergänzung zur Manuellen
Lymphdrainage und zur Kompression mit Gummistrümpfen bzw. Bandagen
sinnvoll.
Ziel ist, dass die Patientin ihre Beine wieder lieben lernt. Der Arzt berät, schreibt aber nicht vor. Die Patientin soll selber fühlen, welche Therapiemodalitäten ihr den höchsten Gewinn bei wenig Aufwand bringt. Sie soll langfristig selber frei entscheiden , welche Behandlung sie jeweils gerade braucht.
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